Am 29. März 2012 hat das Europäische Parlament die Verordnung über die europäische Marktinfrastruktur (EMIR) verabschiedet, mit dem Ziel, die Transparenz und das Risikomanagement auf dem Markt für außerbörslich gehandelte (OTC) Derivate zu verbessern.
Konkret wird mit der EMIR, die ab 1. Januar 2013 gelten soll, Folgendes eingeführt:
i) eine Clearingpflicht für standardisierte OTC-Derivate mit Maßnahmen zur Reduzierung des Gegenparteiausfallrisikos und des operationellen Risikos für bilateral geclearte OTC-Derivate,
ii) gemeinsame Regelungen für zentrale Gegenparteien (Central Counterparties, CCP),
iii) eine Meldepflicht für OTC-Derivate,
iv) Regelungen zur Gewährleistung der Interoperabilität zwischen CCPs,
v) das Konzept der Transaktionsregister.
Die EMIR ist in einem breiteren globalen Kontext zu sehen. Im Juni 2010 verpflichteten sich die Staats- und Regierungschefs der G20 in Pittsburgh zur Umsetzung tiefgreifender Maßnahmen zur „Stärkung der Transparenz und Beaufsichtigung der OTC-Derivate auf international kohärente und nichtdiskriminierende Art und Weise“. In den USA definiert der Dodd-Frank Act die Regulierung des OTC-Derivatmarkts.
Die Situation in Europa ist etwas komplexer. Neben der EMIR, die sich auf die Nachhandelsaktivitäten bei OTC-Kontrakten konzentriert, müssen simultan auch andere Aspekte der OTC-Regulierung behandelt werden, insbesondere in Bezug auf die Handelsseite – durch MiFID 2 und die Richtlinie über Marktmissbrauch.
Es können auch andere, entlegenere Texte eine Rolle in der Debatte spielen, darunter insbesondere die Securities Law Directive (SLD, Richtlinie zum europäischen Wertpapierrecht), die Central Securities Depositories Regulation (Verordnung für Wertpapierzentralverwahrer) und natürlich die EU-Version von Basel III (CRD IV).
Für die ABBL ist es von primärer Bedeutung, das Gesamtbild im Auge zu behalten, um redundante oder widersprüchliche Anforderungen zu vermeiden.

Ein Derivat ist ein Finanzkontrakt, der an den zukünftigen Wert oder Status des Basiswerts gekoppelt ist, auf den er sich bezieht (z. B. Entwicklung von Zinssätzen oder eines Devisenkurses oder möglicher Konkurs eines Schuldners).
Over-the-Counter (OTC) Derivatkontrakte werden nicht an einer Börse (zum Beispiel der Londoner Börse), sondern zwischen zwei Gegenparteien (zum Beispiel einer Bank und einem Hersteller) privat gehandelt. OTC-Derivate machen fast 90 % des Derivatmarkts aus. Im Dezember 2009 betrug der Nennwert der im Umlauf befindlichen OTC-Derivate rund 615 Billionen USD bzw. 435 Billionen EUR. Der OTC-Derivatmarkt umfasst eine breite Palette von Produkttypen verschiedener Anlageklassen (Zins-, Kredit-, Aktien-, Devisen- und Rohstoffderivate) mit sehr unterschiedlichen Merkmalen und Standardisierungsgraden. OTC-Derivate werden auf vielerlei Weise eingesetzt, insbesondere zur Absicherung (Hedging), Anlage und Spekulation. Anders als bei börsengehandelten Derivaten ist es bei OTC-Derivaten nicht automatisch so, dass sie durch CCPs gecleart werden oder Meldeauflagen unterliegen.
Ein hypothetisches Beispiel für Hedging: Ein Flugzeugbauer hat einen Auftrag für den Bau von 6 Flugzeugen innerhalb der nächsten 6 Monate erhalten und wird pro Flugzeug 10 Tonnen Stahl brauchen. Er will vielleicht sicherstellen, dass er den Stahl für die nächsten 6 Monate zu einem bestimmten, festgelegten Preis bekommt, egal welchen Schwankungen der Stahlmarkt unterliegt, damit er die Flugzeuge budgetgerecht liefern kann. Um sich gegen das Risiko steigender Stahlpreise abzusichern, könnte der Flugzeugbauer zum Beispiel mit einer Bank einen OTC-Kontrakt abschließen. Sie könnten für eine bestimmte Menge Stahl für 6 Monate einen bestimmten Preis vereinbaren. Stellt sich nach 6 Monaten – bei Fälligkeit des Kontrakts – heraus, dass der Marktpreis niedriger ist, so hat die Bank einen Gewinn gemacht; ist der Marktpreis jedoch höher, kann der Flugzeugbauer den Stahl zu einem Preis kaufen, der unter dem Marktpreis liegt, und somit Geld sparen.
(Quelle: Europäische Kommission)
Eine zentrale Gegenpartei ist eine Stelle, die zwischen die beiden Gegenparteien einer Transaktion tritt und somit als Käufer für jeden Verkäufer bzw. als Verkäufer für jeden Käufer fungiert. Die wichtigste Aufgabe einer CCP ist das Management des Risikos, das entstehen könnte, wenn eine Gegenpartei nicht in der Lage ist, fällige Zahlungen zu leisten – d. h. bei Zahlungsausfall.
CCPs sind gewerbliche Unternehmen. Es gibt gegenwärtig etwa ein Dutzend CCPs, die OTC-Zinsderivate, -Kreditderivate, -Aktienderivate und -Rohstoffderivate clearen; bis auf eine haben alle ihren Sitz in Europa oder in den USA. Es gibt derzeit keine CCP, die OTC-Devisenderivate cleart.
(Quelle: Europäische Kommission)
Ein Transaktionsregister ist ein zentrales Datenzentrum, in dem Informationen zu Derivatkontrakten erfasst werden.
Transaktionsregister sind gewerbliche Unternehmen. Es gibt globale Transaktionsregister für OTC-Kreditderivate, -Zinsderivate und -Aktienderivate. Trioptima in Stockholm führt ein globales Transaktionsregister für Zinsderivate, und DTCC Derivatives Repository Ltd in London beherbergt ein globales Transaktionsregister für Aktienderivate und verwaltet weltweite Daten über Credit Default Swaps (Kreditderivate zum Handel mit Ausfallrisiken), die mit den in ihrem Trade Information Warehouse in New York erfassten Daten identisch sind.
(Quelle: Europäische Kommission)
New and more demanding international standards for payment, clearing and settlement systems, including central counterparties, have today been issued by the CPSS and IOSCO in a report titled Principles for financial market infrastructures. Among other things, the standards will provide important support for the G20 strategy to make the financial system more resilient by making central clearing of standardised OTC derivatives mandatory. CPSS and IOSCO members will strive to adopt the new standards by the end of 2012. Financial market infrastructures (FMIs) are expected to observe the standards as soon as possible.
As part of its ongoing efforts to create a sounder financial system, the European Commission has proposed today to set up a European common regulatory framework for the institutions responsible for securities settlement, called Central Securities Depositories (CSDs). The proposal will bring more safety and efficiency to securities settlement in Europe. It also seeks to shorten the time it takes for securities settlement and to minimise settlement fails.
On 9 February 2012, Michel Barnier welcomed the work done by the major EU Institutions that have finally reached an agreement on the contested EMIR proposal. This would mark the entry of a new actor in the legislative process: Indeed, ESMA will now be required to prepare with the EU Commission secondary level legislation.
The Regulation of the European Parliament and Council on OTC Derivatives, CCPs and trade repositories (EMIR) delegates or confers powers to the Commission to adopt regulatory technical standards (RTS) and implementing technical standards (ITS) on a number of areas. This discussion paper covers the draft RTS and ITS which ESMA is required to develop.
After long negotiations a compromise deal on new EU legislation to regulate trade in over-the-counter (OTC) Derivatives and make the Derivatives market safer and more transparent was struck by Parliament and Council representatives on 9 February 2012.
The draft regulation calls for reporting of all derivative contracts to trade repositories and the clearing of standardised OTC derivative contracts through central counterparties in order to reduce counterparty risk. This is aimed at preventing the default of one market participant causing the collapse of other market players, thereby putting the entire financial system at risk.
On 15 September 2011, the ABBL organised a conference in the “ABBL meets members” series on the European Market Infrastructures Regulation (EMIR) and welcomed several key EU players in the field to provide an expert view on market infrastructure regulation.
The European Council published on 29 August 2011 a further Presidency compromise proposal, for a regulation on OTC derivative transactions, central counterparties and trade repositories.
Conceptually, the ABBL supports the principles put forward and appreciates the need to define and adapt high-level global principles for institutions that act as market infrastructures for all financial actors. In the ABBL’s opinion, the principles defined at such a global level should be of a broad enough nature so as to be accommodated in regulatory texts in the different regions where they would be applicable.
On 15 September 2010, exactly two years after the fall of Lehman Brothers, the European Commission published its draft proposal for the European Market Infrastructure Regulation (EMIR), with the aim to introduce greater transparency and better risk management to the ‘over the counter’ (OTC) derivatives market.