Unter dem Motto „Nachhaltige Investments“ fand am 20. Mai 2010 das 3. Diesjährige Forum des Vereins Financial Planner Luxembourg a.s.b.l. in den Räumen der Banque LBLux statt. Hierzu konnten Alain Weber, Mitglied der Geschäftsleitung Banque LBLux und Uwe Krönert, Vorsitzender des Vereins Financial Planner Luxembourg a.s.b.l., eine besondere Referentin begrüssen:
Edda Schröder, Geschäftsführerin der Invest in Visions GmbH. Die gelernte Bankkauffrau - später County Head bei Fleming Fonds bzw. Geschäftsführerin bei Schrodes - kombiniert heute nach 12 Jahren Berufserfahrung in der Fondsbranche Ihr eigentliches Interesse „Entwicklungshilfe“ mit ihrer Finanzdienstleistungserfahrung. Hierbei spezialisiert Sie sich auf das Thema „Mikrofinanz-Investments“, das in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat.
Können Sie sich vorstellen, von weniger als zwei US-Dollar am Tag zu leben? Wer dies tun muss, gilt laut Weltbank als extrem arm und gehört zu einer heute 3,7 Milliarden Menschen großen Gruppe weltweit. Während eine Schicht der Schwellenländer vom Boom und somit wachsendem Wohlstand profitiert, nimmt ein großer Teil der Bevölkerung nicht an der Entwicklung teil. Industrienationen sind in der Finanzkrise auf finanzielle Hilfen und Kredite immer weniger ansprechbar. Doch es gibt Finanzinstrumente, die nicht nur helfen, die Armut und den Hunger zu bekämpfen, sondern auch noch und sogar in diesen Zeiten Rendite und geringes Risiko versprechen – Mikrokredite.
Mikrokredite können Menschen erhalten, die eine eigene Existenz aufbauen oder ein Kleinstunternehmen betreiben wollen, jedoch arm sind, keine Sicherheiten zu bieten haben und deshalb von konventionellen Banken eine Kredite bekommen können. Mikrokredite bewegen sich meist im Rahmen von wenigen Hundert US-Dollar und setzen regelmäßig ein Geschäftsmodell voraus, das den Aufbau einer Existenz ermöglichen soll – etwa durch den Betrieb einer einfachen Garküche, den Erwerb einer Nähmaschine oder eines Nutztiers.
Werden die Rückzahlungen vertragsgemäß geleistet, kann der Kreditnehmer Folgekredite erhalten. Mikrokredite und andere Finanzdienstleistungen für Arme wie Mikroversicherungen und Mikrosparprodukte werden unter dem Begriff „Mikrofinanz“ zusammengefasst. Mit Ausfallraten von lediglich rund 2% werden weniger Mikrokredite ‚faul’ als beispielsweise deutsche Existenzgründungskredite. Die Vergabekriterien und die Sanktionen für vertragswidriges Verhalten sind streng.
So liegt die geringe Ausfallrate daran, dass ein versprechendes Geschäftsmodell vorgewiesen werden muss. Zudem werden die Kredite verhältnismäßig oft an Frauen vergeben, da diese der Kreditverpflichtung, und somit ihrer einmaligen Chance der Armut zu entfliehen, gewissenhaft nachkommen. Mikrofinanzinstitutionen vergeben ihre Kredite des Weiteren oft an Kollektive, was zudem die Ausfallwahrscheinlichkeit verringert. Heute gibt es ca. 10.000 Mikrofinanzinstitutionen, die in Asien, Afrika, Lateinamerika und Osteuropa tätig sind. Das Erfolgsmodell Mikrokredite entwickelt sich rasant. Während 2001 Kredite mit einem Gesamtvolumen von rund 4 Milliarden US-Dollar vergeben wurden, waren es 2008 schon 31 Milliarden. Und das Potenzial für weiteres Wachstum ist enorm: So gibt es weltweit rund 500 Millionen Menschen, die die Kriterien für den Empfang eines Mikrokredits erfüllen; der Bedarf wird auf 250-300 Milliarden US-Dollar Kreditvolumen geschätzt. Eine Investitionsmöglichkeit für institutionelle und private Anleger stellt der Erwerb von Anteilen an Mikrofinanzfonds dar. Diese Fonds refinanzieren Mikrofinanzinstitutionen durch Ankauf von Schuldverschreibungen oder – in Einzelfällen – Aktien und sind an deren Erträgen beteiligt. Der wichtigste Grund für das wachsende Interesse dürfte im sehr attraktiven Rendite-Risiko-Verhältnis bei Mikrofinanzfonds liegen. Deren Renditen liegen in der Regel deutlich über Geldmarktniveau; einige, wie der Wallberg Microfinance Fund, der Erträge von 4-5% anstrebt, erreichen deutlich mehr. Bei einer äußerst geringen Schwankungsbreite: unter 1% im Fall des Wallberg-Fonds. Insgesamt gibt es bislang ca. ein Dutzend Fondslösungen für Privatanleger.
Gerade auch in der gegenwärtigen Finanzkrise sind Mikrofinanzinvestments nicht nur sichere Renditebringer, sie können wegen ihrer geringen Korrelation mit anderen Märkten auch die Struktur eines diversifizierten Portfolios entscheidend verbessern. Der Symbiotics Microfinance Index, der die Wertentwicklung von Mikrofinanz-Investmentvehikeln abbildet, setzt sein stetiges Wachstum in den letzten Monaten unbeirrt fort, während die meisten Indizes ihren bekannten Verlauf abwärts nahmen. Selbstverständlich handelt es sich nicht um eine risikolose Anlage. So können Bürgerkriege in instabilen Entwicklungsländern oder Naturkatastrophen dazu führen, dass vor Ort tätige Mikrofinanzinstitute Kreditausfälle in großem Umfang verbuchen müssen. Mikrofinanz-Fonds minimieren dieses Risiko, indem sie ihre Investments über möglichst viele Mikrofinanzinstitutionen verschiedener Größe und in verschiedenen Ländern streuen.
Alles in allem handelt es sich bei Mikrofinanz-Investments um verantwortliche Investitionen mit „sozialer Rendite“ für all jene Anleger, die das Glück haben, von mehr als zwei US Dollar am Tag zu leben.
(Source: Financial Planner Luxembourg)